Leonhart Fuchs Werner Waimann

Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Wolffsmilch. Cap. CCCXVI.

 

Abbildung Sonnenwendede Wolffsmilch
Sonnenwendede Wolffsmilch ( CCCCLXV )
Abbildung: Seite 806

Deutsch: Wolfsmilch, Sonnenwend-
English: Spurge, sun
Francais: lait de couleuvre
Latein: Euphorbia helioscopia
 

Abbildung Cypressene Wolffsmilch
Cypressene Wolffsmilch ( CCCCLXVI )
Abbildung: Seite 807

Deutsch: Wolfsmilch, Zypressen-
English: Spurge, Cypress
Francais: petite ésule
Latein: Euphorbia cyparissias
 

Abbildung Breytbletterte Wolffsmilch
Breytbletterte Wolffsmilch ( CCCCLXVI )
Abbildung: Seite 808

Deutsch: Wolfsmilch, breitblättrige
English: Spurge, broad
Latein: Euphorbia platyphyllos

Namen.

W
Olffsmilch würt von den Griechen Titymalus / aber von den Römern Lactaria / und Lactuca caprina oder marina genent. Zu unsern zeiten werden alle geschlecht der Wolffsmilch Efulae geheyssen / welcher nam auch in den Apotecken bliben ist.

Geschlecht.

   Der Wolffsmilch seind vil geschlecht / auß welchen wir die fürnemsten drey haben lassen contrafeyten. Das erst würt bey dem Dioscoride Helioscopius geheyssen / das ist zu Latein Solisequus. Darumb haben wir sölchs geschlecht Sonnenwendede Wolffsmilch genent. Etlich nennen sölch kraut groß Wolffsmilch. Das ander gschlecht würt zu Latein Cyparissias geheyssen / darumm das sie dem Cypreß etwas änlich ist. Der ursach halben ist sölch geschlecht von uns Cypressene Wolffsmilch genent worden. Mag aber füglich schmale Wolffsmilch genent werden. Das dritt geschlecht ist Griechisch Platyphyllos / das ist zu Latein Latifolius / geheyssen / daher wir diß gewechß breytbletterte Wolffsmilch genent haben. Aller dreyer underscheyd wöllen wir in beschreibung der gestalt klärlich anzeygen.

Gestalt.

   Das erst geschlecht der Wolffsmilch hat einen runden / rotfarben zarten stengel / vol weisser milch. Die bletter vergleichen sich den Burtzel blettern / sind aber nit so dick / unn zu ringßumbher zerkerfft / wie ein säg. Auff dem stengel gewindt es schöne kronen / etwan vier oder fünff neben einander : ein yedes gewerblin ist mit dreien runden blettlin umblegt. Es blüet schweitzergrün / bringt nachmals seine kleine nüßlin mit dreyen underscheyden / darauß springt das braun sämle. Die wurtzel ist seer klein unn zasecht. Das and gschlecht gewint auß einer wurtzel vil roter stengel / von unden an biß oben auß mit schmalen und langen bletlin bekleydt / fast wie das gemeinst Lynkraut. Auff dem stengel wachsen geel kronen. Die wurtzel ist braun und holtzecht. Das dritt geschlecht der Wolffsmilch hat einen dicken langen grünen stengel / die bletter seind lang unnd schmal. Mit dem blust und samen ist es dem ersten gantz änlich. Die wurtzel ist holtzecht.

Statt irer wachsung.

   Die erst Wolffsmilch wechßt in den gärten und weingärten hin unnd wider. Die ander auff den sandigen heyden / und feüchten awen. Das dritt findt man in den wälden.

Zeit.

   Der samen der Wolffsmilch würdt gegen dem Herbst zeitig. Den safft soll man im anfang des summers samlen.

Die natur und complexion.

   Die Wolffsmilch seind warm im vierdten grad / unnd trücknen seer / etzen und brennen / fürnemlich aber die milch von denselbigen.

Krafft und würckung.

   Der milchsafft ist am krefftigsten / darnach der samen / bletter und wurtzel. Der brauch aber sölcher Wolffsmilch sol mehr eüsserlich sein dann innerlich / har / grind / und wartzen darmit zu vertreiben / dann sie seer seubern unnd reynigen. Man braucht auch dise zerstossene wurtzel / kreüter / unn milch / zu dem erbgrind / ein salb darauß gemacht. Die eüsserst rinden diser wurtzel ein nacht unn ein tag in milch oder essig gebeytzt / unn widerumb gedörrt / gestossen und gepulvert / unn ein halbs quintlin schwer mit Meth oder wein jngenommen / treibt auß alle wässerige feüchtigkeyt. Darumb seind die Wolffsmilch in sonderheyt nützlich den wassersüchtigen. Man sol sie aber mit sorgen brauchen / und allwegen Mastix / darmit jr krafft ein wenig gedempfft werd / unn sie dem magen weniger schaden bringen mögen / hinzu thun. Es ist aber vil besser man brauch dise kreüter / wie vormals auch angezeygt / allein eüsserlich / dieweil sie seer warm seind / etzen und brennen.

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